China: 6 Tage in Peking

Tag 1

Nach einer weniger komfortablen nächtlichen Zugfahrt von Ulanbaataar bis an die chinesische Grenze, ging es nun an die Überquerung dieser. Direktzüge nach Peking waren nach unserem Visum-Drama leider schon ausgebucht, daher blieb uns nur die Holzklasse.

Am Ende des schäbigen Grenzbahnhofs warteten auch schon mehrere mongolische Autofahrer, die ihre Dienste zur Grenzüberquerung anboten. Da wir so schnell wie möglich hinüber wollten, haben wir uns gleich zum nächstbesten ins Auto gesetzt. Mit im Gepäck eine lustige ältere Japanerin, die schon seit 40 Jahren in New York lebt. Mein Gott die war begeistert von Biancas weißen Zähnen! Hat sich gar nicht mehr eingekriegt.

So ging es dann mit Vollgas mitten in der Wüste zur Jeep-Karawane um sich vor der Grenzschranke anzustellen. Die Jeeps schienen dort wohl schon länger zu stehen. Also wieder heraus mit dem Gepäck, hinein in den Jeep, der schon in der Schlange platziert war. Dass bei diesem nur eine Tür aufging und der Türgriff eine Schnur war – geschenkt! Soll ja fahren und nicht gut aussehen.
Am Ende des zähen Geschleiches erreichten wir das Grenzgebäude. Nach einer Vollbremsung unseres Fahrers und einem kurzen „Go! Go!“ wussten wir, dass es Zeit war auszusteigen. Also wieder Rucksäcke auf, aufpassen, dass die japanische Omi nicht verloren geht und hinein zur Kontrolle. Mit einer Traube von hundert anderen Ausreisewilligen.
Danach wurden wir auf der anderen Seite des Gebäudes wieder eingepackt und weiter ging es Richtung Chinakontrolle. Auf dem Weg dorthin präsentierte uns unser Fahrer mit diebischem Grinsen seine geschmuggelten IPhones. Herausgezaubert aus dem Sonnenschutz. Sehr geistreiches Versteck… nur vom Touris über die Grenze kutschieren wird man halt auch nicht fett.
Nach erfolgreicher Einreise wurden wir dann im Zentrum von Erlian (Zu diesem tristen Örtchen in der Inneren Mongolei gibt es nicht viel zu berichten… Ein staubiger Hybrid aus Mongolei und China…) in die Hände der Busfahrer ausgeliefert. Die Frage hinsichtlich des Zugs nach Peking wurde nur mit einem „train! train!“ und einem dämlichen Lachen von unserem wegfahrenden Schleuser beantwortet. Das hieß also: mit dem Nachtbus nach Peking.

Tag 2

Nach einer den Verhältnissen entsprechend erholsamen Nacht in meiner Sardinenbüchse, erblickte ich um 4:40 zum ersten Mal bei vollem Bewusstsein Hochhäuser. Peking. Da waren wir. Nach dem Aussteigen kamen schon die ersten Tuk Tuk Fahrer an, um ihre Dienste anzubieten. Wir lehnten dankend ab. Nach 20 Minuten verzweifelter Suche nach der U-Bahn gaben wir dann doch auf und setzten uns in eines der wackeligen Dreiräder. Als Geisterfahrer durch den morgendlichen Berufsverkehr und entgegen zahlreicher Einbahnstraße kamen wir unbeschadet im Hostel an.
Weil unser Zeitplan für China sehr eng getaktet ist, verschwendeten wir keine Zeit und verbrachten den Tag bei den ersten beiden Sehenswürdigkeiten:
Die Anlage rund um den Himmelstempel und den Lamatempel.


Was mir am ersten Tag schon einmal sehr positiv auffiel, war die geringe Anzahl westlicher Touristen. Zudem zeigten sich die Einheimischen weniger laut und rücksichtslos wie man es von den chinesischen Touristen zu Hause gewohnt ist. Nein sie waren sogar sehr nett und hilfsbereit. Und ja wir haben bemerkt, dass man ständig angestarrt wird. Bianca und ich mussten schon für das ein oder andere Foto herhalten. Kann aber auch daran liegen, dass sich meine Bekanntheit als Blogger bis nach China herumgesprochen hat 😉

Tag 3

Endlich einmal wieder Ausschlafen in einem weichen Bett. Es folgte ein ausgiebiges Frühstück auf der Dachterrasse. Im Blick die typisch chinesischen eng zusammenstehenden Dächer. Im Gehör ein chinesischer Drillinstructor der lautstark seine Schützlinge anfeuert. Wahrscheinlich irgendwas mit Kampfkunst.


Heute ging es zum Bell Tower und Drum Tower im Zentrum Pekings. Beide Türme dienten in den verschiedenen Dynastien der letzten Jahrhunderte zur Zeitangabe. Der Bell Tower sogar bis 1924. Im selbigen durften wir Zeugen einer Trommelvorstellung nach alter Tradition werden.
Am Nachmittag ging es durch die typischen kleinen engen Gassen (auch Hutongs genannt) Richtung See. Am Seeufer Richtung Qingdao Insel fiel uns ein kleines traditionell chinesisches Teehaus ins Auge. Wir gingen hinein und uns wurde gleich eine Liste (auf einer hölzernen Schriftrolle) von circa 100 verschiedenen Teesorten angepriesen. Tja was nimmt man denn da? Schwarztee? Ne zu stark! Grüntee? Bloß nicht! Ah Yasmintee! Den kennen wir! Quellwasser oder gefiltertes Irgendwas? Na ja wenn schon denn schon. Und schon ging es los. Die chinesische Dame im feinem Zwirn kam mit Yasminblüten und einer Kanne heißem Wasser. Vor ihr das feine chinesische Teeservice. Zack, Blüten in die Kanne, Wasser drauf. Nach fünf Sekunden ging es ans Abgießen durch das Sieb in drei feine kleine Schälchen. Danach wurden die Schälchen mit einer Riesenholzpinzette wieder ausgeleert. Aha… und jetzt? Wieder Wasser in die Kanne. Zehn Sekunden ziehen lassen und ab in die Schälchen. Traditionelles chinesisches Tee servieren. So geht das also! Das erklärt natürlich den Preis von 20 Euro pro Kanne.
    

Danach ging es dann zur Qingdao Insel. Angekommen auf der dort erbauten Bai Ta Pagode hat man einen wunderschönen Ausblick über Peking. Gar nicht sooo viel Smog wie man immer denkt.


Ermüdet und leicht durchgeschwitzt bei obligatorischen 34 ° ging es noch einmal spät nachmittags bergauf. Im benachbarten Jingshan Park kann man vom Pavillon auf dem Kohlehügel (Warum der so heißt? Keine Ahnung) den besten Blick über Peking erhaschen. Ganz besonders hierbei ist, dass man über die komplette verbotene Stadt sehen kann. Dementsprechend viele Menschen haben sich auch dort oben getummelt. Das erste Mal in diesen zwei Tagen. Wir haben da in China etwas ganz anderes erwartet.

Tag 4

Ich nehme alles vom Vortag zurück. Heute ging es früh morgens in die verbotene Stadt. An einem Sonntag… Mit 10000 anderen Chinesen. Man hätte bessere Tage dafür finden könnnen, aber unser Zeitplan für China ist streng getaktet. Im Gänsemarsch ging es hinein. In China wissen sie wie man Massenabfertigung effektiv gestaltet.
Gefühlte Temperatur um 8:00 Uhr: Gewächshaus.

Ja die verbotene Stadt ist ein Muss in Peking und es war auch wirklich beeindruckend. Nach drei Stunden ist es dann aber auch wirklich genug.
Nach einer kurzen Rast im Hostel begann die eigentliche Mission Impossible des Tages. Zelt und Schlafsäcke in Peking ausleihen. Wofür? Ja jetzt kann ich es ja verraten. Wir planten auf der chinesischen Mauer zu zelten. Nach eingehender Recherche durch Cheforganisatorin Bianca ist es weder legal noch illegal. Wenn wir erwischt werden, gibt es ein Bußgeld und wir müssten ab ins nächste Hotel. Wir haben einfach keine Lust mit all den anderen Touristenmaßen die gleichen Stellen abzulatschen. Die kommerziellen Campingausflüge auf die Mauer sind uns mit 200 Dollar zu teuer…
Dank der Hilfe unseres Hostels haben wir tatsächlich jemanden am Rande der Stadt gefunden, der alles parat hatte was das Camperherz begehrt. Dank Google Übersetzer konnten Bianca und ich ihm das auch klar machen. Die App ist Gold wert.

Tag 5+6 (Die chinesische Mauer)

Bepackt wie ein Muli und mit genügend Proviant ging es ab in Richtung große chinesische Mauer. Da wir vom verwilderten Teil in Richtung restaurierten Teil wandern wollten, ist allein schon die Anreise Abenteuer genug. Zuerst mit der U-Bahn zum Busbahnhof. Hier zeigten sich die ersten neugierigen Blicke auf unseren großen Rucksack mit der verräterischen Schlafmatte.
Von dort ging es mit dem Bus in einen Vorort von Peking. Da alles auf chinesisch angeschrieben war, wurden wir von einer netten Mitfahrerin aufgeklärt, wann wir auszusteigen haben. Nachdem sie von unserem Plan erfuhr, kam nur ein „Wow!“, gefolgt von einem „Be carful!“. Nicht gerade sehr beruhigend. Man muss wissen: ich war der zweifelnd nervöse Teil bei unserem Unterfangen. Nun ging es nur per Taxi (bzw. mit Leuten die Taxi spielen) weiter. Bianca und ich wollten in das kleine Dörfchen Xizhazi. Keiner der Taxifahrer war begeistert davon, weil es eine Stunde Fahrt über die Berge bedeutete. Es hieß nur, der Wanderweg sei zu lange und nichts für Touristen. Wasser auf meine Mühlen des Unbehagens. Am Ende fanden wir eine junge Chinesin mit ihrem Vater, die das Ganze entspannter sahen. „Oh you must be brave!“ war aber auch nicht das was ich von ihnen hören wollte.
Nach einer Stunde kamen wir in Xizhazi an. Ein kleines Örtchen bestehend aus ein paar alten Hütten. Inmitten von Bergen und Wald! Viel Wald! Und weit oben auf diesen Bergen. Die Mauer! Eingehüllt in dunstige Wolken. Wie man es sich vorstellt und es im Fernsehen gesehen hat.

Nach kurzer Nachfrage mit Händen und Füßen bei den Einheimischen ging es hinauf auf den Zhengbeilou Turm. Der Turm des Jiankou Abschnitts mit der schönsten Aussicht.
Nach einer Stunde steilem Aufstieg, bei 93% Luftfeuchtigkeit, erreichten wir verschwitzt unseren angepeilten Schlafplatz für die Nacht. Das Besteigen des Turms erfolgte über eine Treppe der Marke Eigenbau :D.

  

In Erwartung des Sonnenaufgang standen wir am nächsten Morgen gegen 5:30 Uhr auf. Denkste! Nichts als Wolken und Dunst. Man konnte nicht einmal den nächsten Turm sehen. Also bauten wir enttäuscht unser Lager ab und machten uns auf den Weg. Durch Baumgestrüpp, das sich über die Mauer hergemacht hatte ging es von Turm zu Turm.

 
Angekommen am restaurierten Teil der Mauer war es dann vorbei mit der Idylle und die Touristengrüppchen kamen uns entgegen. Bis hier hin kamen uns nur fünf einsame Seelen entgegen. Zum Trost klarte das Wetter noch auf und wir bekamen einen wunderbaren Blick auf die Türme bis in die Ferne.
Sichtlich erschöpft und zufrieden ging es nach ca. 13 km entlang der Mauer mit dem Sessellift Richtung Tal und danach wieder zurück nach Peking.

Tag 7

Bevor es Nachmittags mit dem Schnellzug von Peking nach Xi’an ging, nutzten wir noch die letzten Stunden und besichtigten den neuen Sommerpalast im Nordwesten Pekings. Der letzte Punkt auf unserer To-Do-Liste.

Beitrag erstellt 4

7 Gedanken zu „China: 6 Tage in Peking

  1. Wow! Ich wusste gar nicht, dass es möglich ist, auf der Chinesischen Mauer zu übernachten – wirklich sehr interessant. Den Tee hätte ich allerdings auch gerne gekostet.
    Dein Blog liest sich übrigens sehr lustig :)! Ich wünsche euch beiden noch viel Spaß auf eurer Reise.

    LG,
    Dolo

    1. Danke dir für das nette Feedback Dolo.
      Ja mir war das mit dem Übernachten auch nicht bewusst, aber Bianca kommt andauernd auf solche Sachen :D.
      Mal sehen, ob wir noch einen Tee für euch daheim auftreiben können.
      Liebe Grüße ins schöne Wien

  2. Sehr schönes Tagebuch, viele schöne Bilder
    Hätte eure Kommunikationsversuche mit der App gerne Live gesehen

    Liebe Grüße und viel Glück bis zur nächsten Station

    Andi

  3. Super Story? Mut kann man sich nicht kaufen! Freu mich für euch, dass ihr so tolle Erfahrungen erleben könnt. Faszinierend, dass Touristen zum Fotomotiv im fernen Lande werden, normalerweise fotografiert man die Einheimischen ? Lg aus dem regnerischen Süden von Wien ?

  4. Sehr gut geschriebener Reisebericht. Hätte ich meinem Sohn so nicht zugetraut (oder ist da etwa Bianca beteiligt gewesen). Man lernt nie aus. Auch das Video ist äußerst informativ.
    J.R.

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