Tauchen im Great Barrier Reef

Das größte Korallenriff der Welt. 2000 Kilometer entlang der tropischen Ostküste Australiens. Sichtbar aus dem Weltall. Bestehend aus 3000 verschiedenen Korallenriffen, 1500 verschiedenen Fischarten, Schildkröten, Oktopussen usw. Die größte von Lebewesen erschaffene Struktur auf der Erde.

Tag 1
Wenn man schon mal an der australischen Ostküste unterwegs ist, muss man sich das Great Barrier Reef natürlich ansehen. Und erst recht wenn man auf seiner Bucketlist einen Tauchkurs stehen hat. Man muss halt ignorieren, dass einen bereits der Gedanke mitten im Meer zu schwimmen etwas nervös macht. Ganz zu schweigen davon, dass man bei der Begegnung mit einem Riffhai in 18 Metern Tiefe keine andere Wahl hat als ruhig an Ort und Stelle zu bleiben… Jedoch ist oben Beschriebenes es wert seine Ängste zu überwinden. So fanden sich Bianca und ich heute schließlich im Pool einer Tauchschule wieder. Zwei Tage „Trockenübung“ (haha) mit Gasflasche und natürlich Theorie im Klassenzimmer. Der erste Tag war sehr hilfreich um Bedenken zu zerschlagen. Was tun wenn Wasser in die Brille läuft? Was wenn man sich verschluckt bzw. das Mundstück verliert? Was wenn Bianca im Fotowahn wieder irgendwo stehen bleibt und verloren geht? Alles wurde sehr genau und mehrmals mit unserer englischen Tauchlehrerin eingeübt.
Das erste Mal unter Wasser einzuatmen fühlt sich noch sehr komisch an. Allerdings war das ja nur ein kleines „1. Mal“, verglichen mit dem was da noch auf uns zukommt.

Tag 2
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Konsumverzichts. Die morgendliche Einführung in Sachen Taucherausrüstung war eher als eine Art Tupperware Veranstaltung gedacht. Überteuerte Tauchbrillen und Schwimmflossen wurden als ein „must have“ angepriesen… Danach ging es in den Pool, um das geeignete Equipment aus dem Tauchshop auszuprobieren. Aber nein damit noch nicht genug. Nach einer einstündigen erneuten Tauchübung (weswegen wir ja eigentlich da sind), wurden am Nachmittag alle in den Tauchshop gekarrt. Schließlich brauchten wir unsere Mietausrüstung für die morgige Abfahrt aufs Riff. Und natürlich auch, um uns alle anderen unnötigen Dinge andrehen zu lassen. Bianca und ich blieben standhaft 😉
Anschließend ging es erneut in die Tauchschule. Drei Stunden Theorie mit Abschlusstest, damit wir wenigstens theoretisch fit für unseren morgigen Trip sind.
Abends gab es einen Vortrag über die Tierwelt des Great Barrier Reefs von einem Meeresbiologen. Speziell für Leute, die dort tauchen wollen. Zu meiner Überraschung war ich von allen Tauchschulen in Cairns der Einzige, der sich dort noch hingeschleppt hat. Sehr zur Freude von Jack dem Biologen. Ich bekam eine kostenlose eins zu eins Schulung, in der all meine Bedenken zerstreut wurden. Haie interessieren sich nur für das was über ihnen schwimmt, „Nemo is a bitch“ (greift anscheinend gerne mal Taucher an ;)), Meeresschildkröten sind sehr tolerant, erst ein Salzwasserkrokodil wurde 500 Meilen außerhalb der Küste entdeckt und wenn dich etwas tötet, dann der Boxing Jellyfish und sein kleiner Verwandter Irukandji. Dafür bekommen wir aber stichsichere Stingsuits.

Tag 3


Ab heute sollte es ans Eingemachte gehen. Drei Tage und zwei Nächte am Great Barrier Reef tauchen. Früh morgens wurden wir alle eingesammelt und auf das Boot gebracht. Circa über 30 Leute warteten danach in der Lobby des Boots darauf, dass es los ging. Zum allgemeinen Entsetzen wurde uns aber mitgeteilt, dass aufgrund des Zyklons Owen und 4 Meter Wellen auf offener See, heute nicht gestartet werden konnte. Der Zyklon sei vom Norden aus in Richtung Cairns unterwegs. Wenn es morgen nicht besser werde, müsse der gesamte Trip abgesagt werden. Wirklich ärgerlich, aber Bianca und ich waren uns bewusst, dass wir flexibel sind und das Ganze im Notfall leicht aussitzen können. So blieben wir also im Hafen und konnten noch einen weiteren Tag im nassen Cairns verbringen.

Tag 4
Ich hatte mich schon gewundert, dass die Nacht auf dem Boot so ruhig verlaufen war. Um 5:30 hörte man die Motoren starten. Wir schienen also doch fahren zu können. Ein kurzer Blick in die Wetter App zeigte uns: Der Zyklon hatte sich über Nacht aufgelöst. Also alles nochmal gut gegangen.
Das Boot war während den drei Stunden Fahrt heftig am schwanken. Im Vergleich zu manch anderem, hatten wir glücklicherweise keine Probleme unser Frühstück bei uns zu behalten. Der hintere Bereich des Boots erinnerte eher an the Walking Dead.
Kaum waren wir angekommen wurden auch schon alle zusammen getrommelt. Hinein in den Stichschutzanzug, Gewichte um die Hüfte, Gasflasche aufsatteln,… und dann? Ah ja Bianca und ich mussten uns noch gegenseitig checken, ob alles richtig sitzt usw. Nur auf was sollte man nochmal achten? Bevor wir unser Umhergetapse beendet hatten stresste uns schon MC, unsere leicht pissige Tauchlehrerin, hinunter: „Guys hurry up! Put your fins on, inflate your BCD, don’t forget your mask, breath with your regulator!“ Ehe ich mich versah ging es auch schon mit einem weiten Satz und reichlich Unsicherheit hinein ins graue Nass. Ich traute mich unter Wasser noch gar nicht die Augen zu öffnen, bevor mich die Schwimmweste wieder an die Oberfläche katapultierte. Der Wellengang war noch etwas rau und ich war mehr als perplex, dass ich gerade mitten im offenen Meer vor mich hintrieb. Man verzeihe mir das Offensichtliche, aber so fühlt es sich an, wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird. Nachdem ich mich gefangen hatte, schnorchelte ich entgegen dem Wellengang zu den anderen aus meiner Gruppe. Ein kurzes „OK“ an alle und es ging los. Jeder lies die Luft aus seiner Schwimmweste und wir gingen das erste Mal so wirklich tauchen. In einer Reihe hangelte sich jeder entlang des Seils nach unten. Um uns herum die verschiedensten Fische. Vor lauter Konzentration auf mich selbst, hatte ich kaum Augen für das Getummel um uns herum. Zu meinem Erstaunen war ich der Erste auf dem Meeresgrund. Ein Blick auf meinen Tauchcomputer zeigte 11 Meter Tiefe. Zwei bar Druck und meine Nebenhöhlen machten Gott sei Dank keine Probleme. Nicht wie noch beim Üben im Pool. Nachdem wir alle am Grund angekommen waren, machten wir die Poolübungen erneut, bevor wir eine kleine Runde unter Wasser schwammen. Vorbei an kleinen Riffen und einem kleinen Stachelrochen, der gerade sein Mittagessen im Sand verspeiste. Wieder oben angekommen war die Erleichterung bei allen sichtlich groß.

Der erste Tauchgang war überstanden und der später folgende war dann doch etwas strukturierter.

Tag 5
Auch heute wurden wir wieder früh vom Anlassen des Bootmotors geweckt. Da wir heute fünf Tauchgänge am Stück hatten, bitte ich um Verzeihung, wenn ich hier und da etwas unausführlich beschreibe. Um 5:45 fuhren wir zum nächsten Riff. Wie im Bootcamp wurden alle aus ihren Zimmer gepoltert. Der erste Tauchgang des Tages startete um 7:00 Uhr. Noch vor dem Frühstück. Der Vorletzte bevor wir offiziell zertifizierte Taucher waren. Die Müdigkeit verflog schnell beim Sprung ins Wasser. Aufgrund meiner leichten Allergie fiel es mir heute schwer schnell nach unten zu tauchen. Immer wieder machte meine linke Stirnhöhle schmerzhaft dicht. Mit ein bisschen Meerwasser inhalieren und Geduld ging am Ende aber alles gut. Auch in 17 Metern Tiefe gab es keine Probleme. Wir schwammen ein paar Runden im ebenfalls noch verschlafenen Riff, bevor es wieder hochging.
Beim Frühstück wurden von den anderen mitgereisten Tauchern die Erlebnisse des gestrigen Nachttauchgangs ausgetauscht. Anscheinend waren gestern viele kleine giftige Irukandjiquallen und Haie unterwegs. Sehr beruhigend, wenn man bedenkt, dass wir unseren Nachttauchgang heute noch vor uns hatten.
Im Anschluss ging der letzte Tauchgang als Schüler erfolgreich über die Bühne. Wir übten die Unterwassernavigation mittels Kompass ein (damit wir bei schlechterer Sicht wieder zum Boot zurückfinden) und geschafft war es! Ab jetzt tauchen Bianca und ich selbstständig und frei durch die Weltmeere. Bis 18 Meter Tiefe wohl gemerkt.
DIe ersten beiden freien Tauchgängen in einem neuen Riff verliefen, trotz wackliger Beine und erschöpften Gemütern, fehlerfrei. Natürlich noch etwas verhalten und leicht überfordert. Wir haben das erste Mal eine Putzstation gesehen. Alle möglichen Fische sind brav in einer Reihe angestanden, um sich von den Putzerfischen säubern zu lassen. Zudem ist es mir von nun mir nicht nur an Land, sondern auch unter Wasser vergönnt wartend vor mich hinzutreiben. Bianca hat sich nämlich eine Unterwasserkamera ausgeliehen und auch der kleinste Fisch wird 10 Minuten aus allen Winkeln belästigt.
 
Gegen 19:30 war es dann stockfinster und das eigentliche Highlight des Tages stand an. Der Nachttauchgang. Auf freiwilliger Basis. Aber wer kneift denn da schon gerne? Heraus aus der Komfortzone hieß das Motto. Das Briefing vor dem Tauchgang war natürlich alles andere als beruhigend. Wenn ein Hai auf dich zu schwimmt einfach mit der Taschenlampe blenden und wenn man in der Dunkelheit verloren geht, sollte man an der Oberfläche treiben und warten… Sichtlich erschöpft und mit ordentlich Schiss in meinem Stingersuit ging es ab ins schwarze Meer. Unter Wasser zeigte sich eine komplett andere Atmosphäre als tagsüber. Abgesehn davon, dass man nur das sieht was man anleuchtet, hatte man durchgehend das Geklapper, der nun aktiven kleinen Krebse, in den Ohren. Es gibt Situationen im Leben da denkt man sich: „Wenn jetzt was passiert, bist du aber wirklich selbst schuld“. In Erwartung von allem möglichen Nachtgetier ging es unserer Tauchlehrerin hinterher. Und was haben wir gesehen? Einen degenerierten Hummer ohne Scheren, der so vor sich hingedümpelt ist und sonst nichts. Gar nichts! Ich war stolz, als das Ganze unbeschadet wieder vobei war, aber insgeheim hätte ich dann doch mal gerne einen Riffhai auf Augenhöhe betrachtet.

Tag 6
Heute war der letzte Tag unserer kleinen Tauchexpedition. Ja und natürlich ging es wieder früh an Deck zum Briefing für den vorletzten Tauchgang. Am Flynn Reef gab es früh morgens die Chance noch ein paar Haie zu entdecken. Allerdings hatten wir im Vergleich zu manch anderem kein Glück. Wir konnten „nur“ die umtriebigen Papageienfische beobachten, die fröhlich die zu Sand verarbeiteten Korallen wieder auspupsten.


Während unserem letzten Tauchgang hatten wir dann aber doch noch Glück und durften einer Meeresschildkröte begegnen. Ungestört und aus kurzer Distanz durften wir ihr in 12 Metern Tiefe beim Fressen zusehen.

 

Hinsichtlich der Haie sind wir ein paar Wochen später doch noch belohnt worden. An der Rainbow Coast durften wir mit den Leuten des Wolf Rock Dive Tauchshops spontan unsere ersten beiden Tieftauchgänge auf 30 Meter Tiefe absolvieren. Mit Sandtigerhaien und Adlerrochen.

Einen kurzen Einblick gibt es unter diesem Link 😉

https://www.facebook.com/178855222161040/posts/2058776404168903/

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Ein Gedanke zu „Tauchen im Great Barrier Reef

  1. Ich beneide euch um dieses Erlebnis. Top! Freu mich, dass ihr den Tauchkurs machen konntet. Wieder einmal amüsant zu lesen, lieber Erich. Kurzweilige Geschichte mit einigen netten Anekdoten. Wünsche euch weiterhin viele tolle Erlebnisse und eine Menge Spaß. ??

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